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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
Aktenzeichen:31-6615.30/1556/19
Erlassdatum:27.04.2012
Fassung vom:27.04.2012
Gültig ab:16.07.2012
Quelle:Wappen Baden-Württemberg
Gliederungs-Nr:2215-1
Fundstelle:K. u. U. 2012, 121
Schulversuch "Zwei Geschwindigkeiten zum Abitur am allgemein bildenden Gymnasium"

Schulversuch „Zwei Geschwindigkeiten zum Abitur am allgemein bildenden Gymnasium“



Fundstelle: K.u.U. 2012, S. 121





Das Kultusministerium hat mit Schreiben vom 27. April 2012 (Az. 31-6615.30/1556/19) an 22 Gymnasien einen Schulversuchserlass zur Einführung eines neunjährigen Bildungsganges am allgemein bildenden Gymnasium übermittelt, der nachstehend veröffentlicht wird:



„Das Kultusministerium genehmigt hiermit gemäß § 22 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 SchG mit den nachfolgenden Hinweisen und Regelungen im Wege eines Schulversuches den Antrag auf Einrichtung eines neunjährigen gymnasialen Zuges.



I.


1.


Ziel des Modellversuchs ist es zu erproben, ob es Unterschiede bezüglich des Lern- und Schulerfolgs von Schülerinnen und Schülern in einem neunjährigen Bildungsgang im Vergleich zum achtjährigen Bildungsgang am Gymnasium gibt und welche unterschiedlichen Wahrnehmungen der Eltern, der Schülerinnen und Schüler und der unterrichtenden Lehrkräfte mit beiden Bildungsgängen verbunden sind. Dazu werden verschiedene Modelle für einen neunjährigen Weg zum Abitur erprobt.


2.


Die Schulversuche zur Einrichtung neunjähriger gymnasialer Züge sind auf maximal 44 teilnehmende Gymnasien begrenzt. Zum Schuljahr 2012/2013 starten maximal 22 G9-Modellschulen; zum Schuljahr 2013/2014 folgen maximal 22 weitere Modellschulen.


Der Schulversuch dauert jeweils sieben Jahre (ein Durchgang durch die Klassen 5 bis 11), auslaufend für die während des Versuchszeitraums eingeschulten Schülerinnen und Schüler. Das heißt, der Schulversuch läuft erst – jeweils unter Einbeziehung der Kursstufe – 2026/2027 bzw. 2027/2028 aus, wenn er nicht vorher beendet oder in die Regelform überführt wird. Die Schulen können somit den Schulversuch jeweils für sieben Schülerjahrgänge anbieten.


3.


Voraussetzung für die Teilnahme eines Gymnasiums am Schulversuch ist ein Antrag des Schulträgers und die Beteiligung der schulischen Gremien. Auf die durch die Teilnahme am Schulversuch sich erhöhenden Sachkosten für den Schulträger (Lernmittel, Raumbedarf) wird ausdrücklich hingewiesen.


Die Förderung von Schulbaumaßnahmen für einen Raumbedarf, der sich aus der Einrichtung von Schulversuchen ergibt, ist nicht möglich. Ein Schulträger kann nur für ein Gymnasium, nicht für mehrere Gymnasien, einen Antrag auf Teilnahme am Schulversuch stellen. Soweit ein Schulträger diese Vorgabe nicht einhält, wird das Kultusministerium nach den nachfolgend beschriebenen Kriterien eine Auswahl treffen.


Eine Parallelführung von achtjährigem und neunjährigem Bildungsgang kann in der Regel nur an Gymnasien mit prognostisch gesicherten mindestens vier Zügen pro Jahrgang eingerichtet werden, von denen mindestens zwei dem G8-Bildungsgang und mindestens zwei dem G9-Bildungsgang entsprechen. Gymnasien mit weniger als vier Zügen pro Jahrgang können in der Regel nur als reine G9-Schulen an dem Modellversuch teilnehmen. G9-Züge können grundsätzlich nur genehmigt werden, wenn sie einen G8-Zug ersetzen.


Die Auswahl der Modellschulen orientiert sich an äußeren und inhaltlichen Kriterien. Grundlegend ist eine landesweit ausgewogene regionale Verteilung der Versuchsschulen. Weitere Kriterien sind die gute Erreichbarkeit der Modellschulen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Erschließung eines entsprechenden Einzugsgebietes sowie in einer Gesamtschau die Berücksichtigung des regionalen und kommunalen Bildungsangebots. Inhaltliches Kriterium der Auswahl von Versuchsschulen ist die unter Abschnitt II. Nr. 3 beschriebene Varianz der Modelle.


II.


Für den Schulversuch gilt der allgemeine rechtliche Rahmen mit den folgenden Maßgaben.


1.


Die Entscheidung für den achtjährigen oder für den neunjährigen Bildungsgang am allgemein bildenden Gymnasium treffen die Eltern bei der Anmeldung zur Klasse 5; diese Entscheidung ist verbindlich. Sie sind über die Schwierigkeit eines gegebenenfalls später notwendig werdenden Schulwechsels in geeigneter Weise zu informieren. Melden sich an der Schule mehr Schülerinnen und Schüler für den neunjährigen Zug als Kapazitäten vorhanden sind, werden für die Zuweisung in den achtjährigen Zug die Kriterien für den Klassenausgleich (vgl. § 88 Abs. 4 Satz 2 und 3 SchG) entsprechend angewendet.


2.


Der neunjährige Bildungsgang umfasst die Klassenstufen 5 bis 11. Die Klasse 10 gehört im G9-Bildungsgang zur Sekundarstufe I; der mittlere Bildungsabschluss wird mit der Versetzung von der Klasse 10 in die Klasse 11 erworben. An die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe in Klasse 11 schließen sich die erste und zweite Jahrgangstufe (zweijährige Kursstufe) an. Für die Jahrgangsstufen des achtjährigen und des neunjährigen Bildungsgang am allgemein bildenden Gymnasium gelten die gleichen Regelungen.


3.


Inhaltliche Grundlage des neunjährigen Bildungsgangs am Gymnasium ist wie im achtjährigen Bildungsgang der Bildungsplan 2004 bzw. der jeweils gültige Bildungsplan mit allen Grundelementen der Bildungsplanreform (Kompetenzorientierung, Standards, Lernstandserhebungen).
Mögliche Modelle sind entweder eine Dehnung der Standards 6, 8, 10 über den gesamten Bildungsgang der Klassen 5 bis 11, also eine durchgängige Entschleunigung, oder eine Dehnung der Standards 8 und 10 auf die Klassen 7 bis 11, also vorwiegend eine Entlastung der Mittelstufe. Das Kultusministerium kann weitere Modelle genehmigen. Fächer, mit denen im achtjährigen Bildungsgang ab Klasse 6 oder in einer höhen Klasse begonnen wird, können je nach Modell auch um ein Jahr versetzt eingeführt werden; dies gilt insbesondere für die zweite Fremdsprache (Klasse 7) und die Profilfächer (Klassen 9). Die Umsetzung der notwendigen Dehnung der Standards je nach Modell liegt in der Verantwortung der Schulen; hierüber entscheidet die Gesamtlehrerkonferenz nach Anhörung des Elternbeirates und mit Zustimmung der Schulkonferenz.


4.


Der neunjährige Bildungsgang am Gymnasium bietet durch das zusätzliche Schuljahr mehr schulische Lernzeit. Für Zusatzstunden, insbesondere in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen, werden zusätzliche Ressourcen im Umfang von zwölf Lehrerwochenstunden pro Zug bereitgestellt. Damit erhöht sich der Umfang der Kontingentstundentafel von 194 auf 206 Jahreswochenstunden. Über die Verteilung dieser zusätzlichen Wochenstunden auf die einzelnen Fächer entscheidet die Gesamtlehrerkonferenz nach Anhörung des Elternbeirates und mit Zustimmung der Schulkonferenz.
Zusätzlich werden die Möglichkeiten zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler in der Unterstufe gestärkt. Dafür werden die Poolstunden generell, sowohl im neunjährigen als auch im achtjährigen Bildungsgang von zehn auf elf Poolstunden erhöht. Diese zusätzliche Poolstunde darf ausschließlich für individuelle Förder- und Differenzierungsmaßnahmen in den Klassen 5 und 6 eingesetzt werden. Eine Erhöhung der Unterrichtsbelastung der Schülerinnen und Schüler in G8 und G9-Zügen darf dadurch nicht erfolgen.


Alle übrigen 10 Poolstunden können in den G9-Zügen, abweichend von den Regelungen für das achtjährige Gymnasium, auch für Fachunterricht eingesetzt werden.


5.


Es gilt die Versetzungsordnung Gymnasium mit den Maßgaben, dass eine Aussetzung der Versetzungsentscheidung nach § 3 und ein Überspringen einer Klasse nach § 5 für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 möglich ist und dass Fächer um ein Jahr versetzt eingeführt werden können (siehe oben Abschnitt II. Nr. 3).


III.


Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport wird die näheren Einzelheiten zur Berichtspflicht des Schulversuchs noch festlegen.“


 


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