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Einzelvorschrift
Aktuelle Gesamtvorschrift
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Normgeber:Bundesministerium der Finanzen
Vorschrift:Anhang 16 V EStH 2002
Fassung vom:01.03.2003
Gültig ab:01.01.2002
Quelle:juris Logo
Normen:§ 9 Abs 5 EStG, Abschn 45 Abs 3 S 4 Nr 1 S 2 LStR, § 4 Abs 7 EStG, § 4 Abs 5 S 1 Nr 6b EStG, Abschn 45 Abs 3 S 4 Nr 2 S 2 LStR ... mehr


 
Einkommensteuerrechtliche Behandlung der Aufwendungen
für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b,
§ 9 Abs. 5 und § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG


BMF vom 16.6.1998 (BStBl I S. 863)
IV B 2-S 2145-59/98 -


Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder gilt
zur einkommensteuerrechtlichen Behandlung der Aufwendungen für ein
häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, § 9 Abs. 5
und § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG folgendes:


I. Grundsatz


1 Die Berücksichtigung der Aufwendungen für ein häusliches
Arbeitszimmer als Betriebsausgaben oder Werbungskosten ist
durch das Jahressteuergesetz 1996 (BGBl. 1995 I S. 1250,
BStBl 1995 I S. 438) von zusätzlichen Voraussetzungen abhängig
gemacht worden. Unverändert muß zunächst weiterhin nach den
auch schon vor dem Veranlagungszeitraum 1996 geltenden
Grundsätzen geprüft werden, ob ein häusliches Arbeitszimmer
vom Grundsatz her steuerlich anzuerkennen ist. Auch wenn
danach ein häusliches Arbeitszimmer vorliegt, kann ab 1996 der
Abzug der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer als
Betriebsausgaben oder Werbungskosten nach
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b i.V. m. § 9 Abs. 5 EStG
ausgeschlossen oder eingeschränkt sein. Durch das
Jahressteuergesetz 1997 (BGBl. 1996 I S. 2049,
BStBl 1996 I S. 1523) wurden die Einschränkungen ab
Veranlagungszeitraum 1997 auf den Sonderausgabenbereich
ausgedehnt (Aufwendungen für die Berufsausbildung oder
Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf,
§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG).


II. Inhalt der gesetzlichen Regelung


2 Unter die Regelungen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b und
§ 9 Abs. 5 EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 1996 fällt die
Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers zur Erzielung von
Einkünften sämtlicher Einkunftsarten, also auch z.B. im Rahmen
von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, von
Kapitaleinkünften oder von sonstigen Einkünften. Eine
Mitbenutzung zu eigenen Ausbildungszwecken ist unbeachtlich.
Danach sind drei Fallgruppen zu unterscheiden:


1. Unbegrenzter Abzug


3 Steuerpflichtige, bei denen das häusliche Arbeitszimmer den
Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen
Betätigung bildet, dürfen die Aufwendungen unbegrenzt als
Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen.


2. Auf 2.400 DM 1) begrenzter Abzug


4 Ist das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt der gesamten
betrieblichen und beruflichen Betätigung, dürfen die
Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer insgesamt nur
bis zu 2.400 DM 1) je Wirtschaftsjahr bzw.
Veranlagungszeitraum als Betriebsausgaben oder Werbungskosten
abgezogen werden, wenn die betriebliche oder berufliche
Nutzung des Arbeitszimmers


a) mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und
beruflichen Tätigkeit beansprucht (Zeitgrenze) oder
b) für die betriebliche oder für die berufliche Tätigkeit kein
anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.








 
5 Der Betrag von 2.400 DM 1) ist kein Pauschbetrag. Die
Aufwendungen dürfen daher nur bis zu 2.400 DM 1) als
Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, wenn
sie - bis zu dieser Höhe - nachgewiesen oder glaubhaft gemacht
werden. Es handelt sich um einen personenbezogenen
Höchstbetrag, der nicht mehrfach für verschiedene Tätigkeiten
in Anspruch genommen werden kann, sondern ggf. auf die
unterschiedlichen Tätigkeiten aufzuteilen ist (Rn. 14 - 16).


3. Abzugsverbot


6 In allen anderen Fällen dürfen Aufwendungen für ein häusliches
Arbeitszimmer nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten
abgezogen werden, und zwar unabhängig davon, ob das
Arbeitszimmer vor dem 1. Januar 1996 steuerlich anerkannt war.


III. Begriff des häuslichen Arbeitszimmers


7 Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein zur Wohnung gehörender,
aber vom übrigen Wohnbereich abgetrennter Raum, der
ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen
und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird. Auch ein Raum z.B.
im Keller oder unter dem Dach (Mansarde) des Wohnhauses, in
dem der Steuerpflichtige seine Wohnung hat, kann ein
häusliches Arbeitszimmer sein. Dabei ist das Gesamtbild der
Verhältnisse im Einzelfall entscheidend. Für die Anwendung des
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b, des § 9 Abs. 5 und des
§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ist es ohne Bedeutung, ob die Wohnung,
zu der das häusliche Arbeitszimmer gehört, gemietet ist oder
ob sie sich im Eigentum des Steuerpflichtigen befindet. Auch
mehrere Räume können als ein häusliches Arbeitszimmer
anzusehen sein.


Beispiele:


a) Ein häusliches Arbeitszimmer liegt in folgenden Fällen
regelmäßig vor:
- häusliches Büro des selbständigen Handelsvertreters,
des selbständigen Übersetzers oder des selbständigen
Journalisten,
- häusliches ausschließlich beruflich genutztes
Musikzimmer der freiberuflich tätigen Konzertpianistin,
in dem diese Musikunterricht erteilt.
b) Ein häusliches Arbeitszimmer liegt in folgenden Fällen
regelmäßig nicht vor:
- Arzt-, Steuerberater- oder Anwaltspraxis grenzt an das
Einfamilienhaus an oder befindet sich im selben Gebäude
wie die Privatwohnung.
- In einem Geschäftshaus befinden sich neben der Wohnung
des Bäckermeisters die Backstube, der Verkaufsraum, ein
Aufenthaltsraum für das Verkaufspersonal und das Büro,
in dem die Buchhaltungsarbeiten durchgeführt werden.
Das Büro ist in diesem Fall aufgrund der Nähe zu den
übrigen Betriebsräumen nicht als häusliches
Arbeitszimmer zu werten.


IV. Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen
Tätigkeit


8 Ein häusliches Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten
betrieblichen und beruflichen Betätigung des
Steuerpflichtigen, wenn es unter Berücksichtigung des
Gesamtbildes der Verhältnisse und der Tätigkeitsmerkmale den
Schwerpunkt aller im betrieblichen und beruflichen Bereich
ausgeübten, zu einkommensteuerpflichtigen und
einkommensteuerfreien Einnahmen führenden Tätigkeiten bildet
und der Steuerpflichtige deshalb nicht dauerhaft außerhalb des
Arbeitszimmers - und sei es auch an verschiedenen Orten -
tätig wird. Bei einem Unternehmer kommt es nicht darauf an, wo
er seine geschäftsleitenden Vorstellungen entwickelt und
unternehmensbezogene Entscheidungen trifft, sondern darauf, wo
er tatsächlich nachhaltig tätig wird. Übt ein
Steuerpflichtiger mehrere betriebliche oder berufliche
Tätigkeiten nebeneinander aus, bildet das häusliche
Arbeitszimmer nur dann den Mittelpunkt der gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit, wenn sich der
Mittelpunkt jeder einzelnen betrieblichen oder beruflichen
Tätigkeit im Arbeitszimmer befindet 2). Der unbegrenzte Abzug
der Aufwendungen scheidet daher aus, wenn neben einer
Haupttätigkeit, deren Mittelpunkt sich im häuslichen
Arbeitszimmer befindet, eine weitere Tätigkeit mit
anderweitigem Mittelpunkt ausgeübt wird. Das gilt nicht, wenn
alle weiteren Tätigkeiten mit anderweitigem Mittelpunkt
zusammen von ganz untergeordneter Bedeutung sind.








 
Beispiele, in denen das häusliche Arbeitszimmer nicht
Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen
Betätigung bildet:
- Bei einem - freien oder angestellten - Handelsvertreter
liegt der Tätigkeitsschwerpunkt regelmäßig außerhalb des
häuslichen Arbeitszimmers, und zwar im Geschäftsbezirk,
den er zu betreuen hat.
- Ein kaufmännischer Angestellter einer Handelsfirma ist
nebenbei noch für eine Bausparkasse selbständig tätig und
empfängt Kunden zu Beratungsgesprächen in seinem
häuslichen Arbeitszimmer oder wickelt diese Geschäfte dort
ab. Für diese Nebentätigkeit ist das Arbeitszimmer zwar
der Tätigkeitsmittelpunkt. Aufgrund der erforderlichen
Gesamtbetrachtung ist das Arbeitszimmer jedoch nicht
Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen
Betätigung.


V. Die betriebliche oder berufliche Nutzung des
Arbeitszimmers beträgt mehr als die Hälfte der gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit (Zeitgrenze)


9 Bei der Beurteilung, ob die betriebliche oder berufliche
Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers mehr als die Hälfte der
gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung beträgt, ist
jeweils die tatsächliche zeitliche Dauer der Nutzung in dem
Zeitraum (Wirtschafts- oder Kalenderjahr) maßgebend, in dem
die Tätigkeit ausgeübt wird (vgl.
Abschn. 45 Abs. 3 Satz 4 Nr. 1 Satz 2 LStR). Eine qualitative
Beurteilung ist nicht vorzunehmen. So ist es z.B. ohne
Bedeutung, welcher Anteil am Gesamtumsatz oder an den
Gesamteinnahmen im Arbeitszimmer erwirtschaftet wurde. Die
Beurteilung, ob die Nutzung des Arbeitszimmers für eine
betriebliche oder berufliche Tätigkeit mehr als 50 % der
gesamten Tätigkeit beträgt, ist tätigkeitsbezogen vorzunehmen
(z.B. die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers entfällt zu
40 % der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit auf
die Erzielung von Einkünften aus selbständiger Arbeit, zu 20 %
auf die Erzielung von Einkünften aus Gewerbebetrieb; zusammen
entfallen in diesem Fall (40 + 20 =) 60 % der gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit auf die Nutzung des
häuslichen Arbeitszimmers mit der Folge, daß Betriebsausgaben
bis zu 2.400 DM 1) abgezogen werden können). Hierbei sind auch
verschiedene Tätigkeiten einer Einkunftsart (z.B. aus zwei
Dienstverhältnissen) getrennt zu beurteilen (vgl. Rn. 15). Es
ist nicht erforderlich, daß jede der einkunftsrelevanten
Tätigkeiten des Steuerpflichtigen - anteilig - im häuslichen
Arbeitszimmer ausgeübt wird. Es genügt, wenn er einer seiner
einkunftsrelevanten Tätigkeiten im häuslichen Arbeitszimmer
nachgeht und der zeitliche Anteil dieser Tätigkeit im
häuslichen Arbeitszimmer 50 % der gesamten betrieblichen und
beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen übersteigt.
Hierbei ist die Zeit, die auf betriebliche oder berufliche
Fahrten, wie z.B. auf Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits-
oder Betriebsstätte, entfällt, nicht in die Ermittlung der
Zeit der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit
einzubeziehen.


Beispiel:
Einem angestellten Rechtsanwalt steht ein Arbeitsplatz bei
seinem Arbeitgeber zur Verfügung. Er arbeitet dennoch
überwiegend in seinem häuslichen Arbeitszimmer und fährt zu
den Verhandlungen ins Gericht. Seine wöchentliche
Arbeitszeit entfällt im Durchschnitt wie folgt auf die
verschiedenen Tätigkeiten:
- Verhandlungen und Besprechungen im Gericht 10 Stunden
- Besprechungen in der Kanzlei des Arbeitgebers 10 Stunden
- Vorbereitungen im häuslichen Arbeitszimmer 30 Stunden
Die Nutzung des Arbeitszimmers zur Vorbereitung der
Gerichtsverhandlungen (30 Stunden) beträgt mehr als die
Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit
(50 Stunden). Damit können die Aufwendungen für das
häusliche Arbeitszimmer bis zu 2.400 DM 1)/Jahr als
Werbungskosten abgezogen werden, obwohl dem Anwalt für diese
Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.








 
10 Der Steuerpflichtige muß konkret darlegen, daß das häusliche
Arbeitszimmer zu mehr als der Hälfte der gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit dient. Dabei kann das
Berufsbild einen Anhaltspunkt für oder gegen eine mehr als
hälftige Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers bieten.


VI. Für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit steht
kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung


11 Die Beurteilung, ob für die betriebliche oder berufliche
Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist
jeweils tätigkeitsbezogen vorzunehmen. Ein anderer
Arbeitsplatz steht auch dann zur Verfügung, wenn er außerhalb
der üblichen Arbeitszeiten, wie z.B. am Wochenende oder in den
Ferien, nicht zugänglich ist. Ändern sich die
Nutzungsverhältnisse des Arbeitszimmers während eines
Veranlagungszeitraums, ist auf den Zeitraum der begünstigten
Nutzung abzustellen. Werden in einem Arbeitszimmer sowohl
Tätigkeiten, für die ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung
steht, als auch Tätigkeiten, für die ein anderer Arbeitsplatz
nicht zur Verfügung steht, ausgeübt, sind die Aufwendungen dem
Grunde nach nur zu berücksichtigen, soweit sie auf Tätigkeiten
entfallen, für die ein anderer Arbeitsplatz nicht zur
Verfügung steht. Übt ein Steuerpflichtiger mehrere
betriebliche oder berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus,
ist daher für jede einzelne Tätigkeit zu prüfen, ob ein
anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dabei kommt es nicht
darauf an, ob ein für eine Tätigkeit zur Verfügung stehender
Arbeitsplatz auch für eine andere Tätigkeit genutzt werden
kann (z.B. Firmenarbeitsplatz auch für schriftstellerische
Nebentätigkeit).


12 Ob für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit ein anderer
Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist nach objektiven
Gesichtspunkten zu beurteilen. Subjektive Erwägungen des
Steuerpflichtigen zur Annehmbarkeit des Arbeitsplatzes sind
unbeachtlich. Auch ein Schreibtisch in einem Großraumbüro des
Arbeitgebers kann deshalb ein anderer Arbeitsplatz sein. Die
Ausstattung des häuslichen Arbeitszimmers mit Arbeitsmitteln,
die in dem vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Raum nicht
vorhanden sind, ist ohne Bedeutung.


Beispiele (kein anderer Arbeitsplatz):
- Ein Lehrer hat für seine Unterrichtsvorbereitung in der
Schule keinen Schreibtisch
(Abschn. 45 Abs. 3 Satz 4 Nr. 2 Satz 2 LStR). Das
jeweilige Klassenzimmer oder das Lehrerzimmer stellt
keinen Arbeitsplatz im Sinne der Abzugsbeschränkung dar.
- Ein angestellter oder selbständiger Orchestermusiker hat
im Konzertsaal keine Möglichkeit zu üben. Hierfür hat er
sich ein häusliches Arbeitszimmer eingerichtet.
- Ein angestellter Krankenhausarzt übt eine freiberufliche
Gutachtertätigkeit aus. Dafür steht ihm im Krankenhaus
kein Arbeitsplatz zur Verfügung.


13 Der Steuerpflichtige muß konkret darlegen, daß ein anderer
Arbeitsplatz für die jeweilige betriebliche oder berufliche
Tätigkeit nicht zur Verfügung steht. Der Arbeitnehmer kann
dies durch eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers
belegen. Bei den übrigen Steuerpflichtigen gibt die Art der
Tätigkeit einen Anhaltspunkt.


VII. Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere
Steuerpflichtige


14 Die Abzugsbeschränkung ist personenbezogen anzuwenden (vgl.
auch Rn. 5). Daher kann jeder Nutzende die Aufwendungen, die
er getragen hat, je nach Fallgruppe unbegrenzt, bis zu
2.400 DM 1) oder gar nicht abziehen. Nutzen mehrere Personen,
wie z.B. Ehegatten, ein Arbeitszimmer gemeinsam, sind die
Voraussetzungen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG bezogen auf
die einzelne steuerpflichtige Person zu prüfen.








 
VIII. Nutzung des Arbeitszimmers zur Erzielung
unterschiedlicher Einkünfte


15 Nutzt ein Steuerpflichtiger sein häusliches Arbeitszimmer für
mehrere Tätigkeiten im Rahmen mehrerer Einkunftsarten, muß die
Abzugsmöglichkeit oder -begrenzung zunächst für jede Tätigkeit
selbständig geprüft werden. Ist danach für die im
Arbeitszimmer ausgeübten Tätigkeiten ein Abzug dem Grunde nach
möglich, können die auf diese Nutzungen entfallenden
Aufwendungen, je nach Fallgruppe unbegrenzt, bis zu
2.400 DM 1) oder gar nicht abgezogen werden.


16 Ist nur ein beschränkter Abzug der Aufwendungen möglich,
erfaßt die gesetzliche Abzugsbeschränkung von 2.400 DM 1)
personenbezogen die gesamte betriebliche und berufliche
Tätigkeit des Steuerpflichtigen. Dabei sind die Aufwendungen
für das Arbeitszimmer entsprechend dem Nutzungsumfang den
darin ausgeübten Tätigkeiten zuzuordnen. Soweit der
Kostenabzug für eine oder mehrere Tätigkeiten möglich ist,
kann der Steuerpflichtige diese anteilig insgesamt bis zum
Höchstbetrag abziehen. Eine Vervielfachung des Höchstbetrages
ist ausgeschlossen.


Beispiele:
- Ein Angestellter nutzt sein Arbeitszimmer zu 40 % für
seine nichtselbständige Tätigkeit und zu 60 % für eine
unternehmerische Nebentätigkeit. Nur für die
Nebentätigkeit steht ihm kein anderer Arbeitsplatz zur
Verfügung. An Aufwendungen sind für das Arbeitszimmer
insgesamt 5.000 DM entstanden. Diese sind nach dem
Nutzungsverhältnis aufzuteilen. Auf die nichtselbständige
Tätigkeit entfallen 40 % von 5.000 DM = 2.000 DM, die
nicht abgezogen werden können. Auf die Nebentätigkeit
entfallen 60 % von 5.000 DM = 3.000 DM, die bis zu
2.400 DM als Betriebsausgaben abgezogen werden können.
- Ein Universitätsprofessor ist nebenbei schriftstellerisch
tätig. Er hält sich zu mehr als 50 % seiner gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit in seinem
Arbeitszimmer auf (Anteil der beruflichen Tätigkeit an der
Nutzung des Arbeitszimmers 80 %). Für seine
schriftstellerische Tätigkeit steht ihm kein anderer
Arbeitsplatz zur Verfügung (Anteil an der Nutzung des
Arbeitszimmers 20 %). Die Aufwendungen für das
Arbeitszimmer betragen 4.500 DM, die anteilig bis zum
Höchstbetrag von 2.400 DM, und zwar 1.920 DM (= 80 % von
2.400 DM) als Werbungskosten und 480 DM (= 20 % von
2.400 DM) als Betriebsausgaben abgezogen werden können.


IX. Nicht ganzjährige Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers
und zeitliche Zuordnung des Arbeitszimmers zu der
jeweiligen Tätigkeit


17 Bei der zeitlichen Bewertung der gesamten betrieblichen und
beruflichen Tätigkeit ist ausschließlich auf den Zeitraum der
begünstigten Nutzung bzw. der Zuordnung des Arbeitszimmers zu
der jeweiligen Tätigkeit abzustellen. Ändern sich die
Nutzungsverhältnisse innerhalb eines Wirtschafts- bzw.
Kalenderjahres, können die auf den Zeitraum der Tätigkeit, für
die das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet, entfallenden
Aufwendungen in voller Höhe abgezogen werden. Für den übrigen
Zeitraum kommt bei Vorliegen der Voraussetzungen nach
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG ein Abzug bis zum
Höchstbetrag von 2.400 DM 1) in Betracht. Der Höchstbetrag von
2.400 DM 1) ist auch bei nicht ganzjähriger Nutzung eines
häuslichen Arbeitszimmers in voller Höhe zum Abzug zuzulassen.








 
Beispiele:
- Ein Arbeitnehmer hat im 1. Halbjahr den Mittelpunkt seiner
gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit in seinem
häuslichen Arbeitszimmer. Im 2. Halbjahr übt er die
Tätigkeit am Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber aus. Die
Aufwendungen für das Arbeitszimmer, die auf das
1. Halbjahr entfallen, sind in voller Höhe als
Werbungskosten abziehbar. Für das 2. Halbjahr kommt ein
Abzug nicht in Betracht.
- Ein Arbeitnehmer hat ein häusliches Arbeitszimmer, das er
nur nach Feierabend und am Wochenende auch für seine
nichtselbständige Tätigkeit nutzt. Seit 15. Juni 1996 ist
er in diesem Raum auch schriftstellerisch tätig. Aus der
schriftstellerischen Tätigkeit erzielt er Einkünfte aus
selbständiger Arbeit. Fortan nutzt der Steuerpflichtige
sein Arbeitszimmer zu 30 % für die nichtselbständige
Tätigkeit und zu 70 % für die schriftstellerische
Tätigkeit, wofür ihm kein anderer Arbeitsplatz zur
Verfügung steht. Die Gesamtaufwendungen für das
Arbeitszimmer betrugen 1996 10.000 DM. Davon entfallen auf
den Zeitraum ab 15. Juni 1996 (6,5/12 =) 5.417 DM. Der auf
die nichtselbständige Tätigkeit entfallende Kostenanteil
ist insgesamt nicht abziehbar. Auf die selbständige
Tätigkeit entfallen 70 % von 5.417 DM = 3.792 DM, die bis
zum Höchstbetrag von 2.400 DM als Betriebsausgaben
abgezogen werden können. Eine zeitanteilige Kürzung des
Höchstbetrages ist nicht vorzunehmen.


X. Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers zu
Ausbildungszwecken


18 Nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 5 EStG i.d.F. des
Jahressteuergesetzes 1997 (a.a.O.) ist die Regelung des
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG ab Veranlagungszeitraum 1997
auch für Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer
anzuwenden, das für die Berufsausbildung und Weiterbildung in
einem nicht ausgeübten Beruf genutzt wird. Im Rahmen der
Ausbildungskosten können jedoch in jedem Fall Aufwendungen nur
bis zu insgesamt 1.800 DM 3) bzw. 2.400 DM 4) als
Sonderausgaben abgezogen werden
(§ 10 Abs. 1 Nr. 7 Sätze 1 und 2 EStG).


19 Da die Regelung für Veranlagungszeiträume bis 1996 noch nicht
anzuwenden ist, können die Aufwendungen für ein häusliches
Arbeitszimmer bis 1996 einschließlich entsprechend dem
zeitlichen Nutzungsanteil zusätzlich zu den nach
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b oder § 9 Abs. 5 EStG begrenzt
abziehbaren Aufwendungen im Rahmen der Höchstbeträge des
§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG a.F. als Sonderausgaben abgezogen
werden.


Beispiele:
- Ein angestellter Bankkaufmann studiert Jura an der
Fernuniversität. Nebenbei verfaßt er Aufsätze für
Fachzeitschriften. Sowohl für seine Studienzwecke als auch
für seine schriftstellerische Tätigkeit nutzt er sein
häusliches Arbeitszimmer (Gesamtaufwendungen für das
Arbeitszimmer in den Jahren 1996 und 1997 jeweils
6.500 DM; geschätzter Anteil der Studienzwecke 60 %,
geschätzter Anteil der schriftstellerischen Tätigkeit
40 %). Nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 1 EStG kann der
Bankkaufmann Aufwendungen für seine Berufsausbildung
- ohne auswärtige Unterbringung - bis zu 1.800 DM im
Kalenderjahr als Sonderausgaben geltend machen.
a) 1996:
- Schriftstellerische Tätigkeit: 40 % von 6.500 DM =
2.600 DM. Die Mitbenutzung des Arbeitszimmers zu
Ausbildungszwecken ist unbeachtlich. Da der
Bankkaufmann für seine schriftstellerische Tätigkeit
keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung hat, können
die Aufwendungen bis zu 2.400 DM als Betriebsausgaben
abgezogen werden.
- Ausbildungskosten: 60 % von 6.500 DM = 3.900 DM.
Diese Aufwendungen können zusammen mit den anderen
nachgewiesenen Ausbildungskosten bis zum Höchstbetrag
von insgesamt 1.800 DM als Sonderausgaben abgezogen
werden.
b) 1997:
Ab 1997 ist der Höchstbetrag wie folgt aufzuteilen:
- Schriftstellerische Tätigkeit: 40 % von 2.400 DM =
960 DM Betriebsausgaben.
- Ausbildungskosten: 60 % von 2.400 DM = 1.440 DM, die
zusammen mit den anderen nachgewiesenen
Ausbildungskosten bis zu 1.800 DM als Sonderausgaben
abgezogen werden können.
- Ein angestellter Rechtsanwalt möchte promovieren. Sein
häusliches Arbeitszimmer (Gesamtaufwendungen im Jahr 1997
5.000 DM) nutzt er nach Feierabend und am Wochenende zur
Bearbeitung von Akten, zum gelegentlichen Empfang von
Mandanten (Zeitanteil 80 %) sowie zur Vorbereitung auf das
Doktorexamen (Zeitanteil 20 %). Die auf seine
nichtselbständige Tätigkeit entfallenden Aufwendungen für
das häusliche Arbeitszimmer (80 % von 5.000 DM = 4.000 DM)
kann der Anwalt nicht als Werbungskosten abziehen, da ihm
ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht und er sich
nicht zu mehr als 50 % seiner gesamten betrieblichen und
beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer aufhält.
Die auf die Vorbereitung für das Doktorexamen entfallenden
Aufwendungen i.H. von 20 % von 5.000 DM = 1.000 DM kann er
im Rahmen des Ausbildungs-Höchstbetrages als
Sonderausgaben abziehen.








 
XI. Betroffene Aufwendungen


20 Zu den Aufwendungen, die unter die Begrenzung in Höhe von
2.400 DM 1) oder unter das Abzugsverbot fallen, gehören
insbesondere die anteiligen Aufwendungen für


- Miete,
- Gebäude-AfA, Absetzungen für außergewöhnliche technische
oder wirtschaftliche Abnutzung, Sonderabschreibungen,
- Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung
oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung
verwendet worden sind,
- Wasser- und Energiekosten,
- Reinigungskosten,
- Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren,
Gebäudeversicherungen,
- Renovierungskosten


sowie die Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers. Hierzu
gehören z.B. Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und
Lampen. Nicht zur Ausstattung gehören Arbeitsmittel
(BFH-Urteil vom 21. November 1997, BStBl 1998 II S. 351).


XII. Besondere Aufzeichnungspflichten


21 Nach § 4 Abs. 7 EStG dürfen Aufwendungen für ein häusliches
Arbeitszimmer bei der Gewinnermittlung nur berücksichtigt
werden, wenn sie besonders aufgezeichnet sind. Es bestehen
keine Bedenken, wenn die auf das Arbeitszimmer anteilig
entfallenden Finanzierungskosten im Wege der Schätzung
ermittelt werden und nach Ablauf des Wirtschafts- bzw.
Kalenderjahres eine Aufzeichnung bzw. Anpassung aufgrund der
Jahresabrechnung des Kreditinstitutes erfolgt. Entsprechendes
gilt für die verbrauchsabhängigen Kosten wie z.B. Wasser- und
Energiekosten. Es ist ausreichend, Abschreibungsbeträge einmal
jährlich - zeitnah nach Ablauf des Kalender- bzw.
Wirtschaftsjahres - aufzuzeichnen.


Dieses Schreiben ersetzt das BMF-Schreiben vom 22. Januar 1998
(BStBl I S. 129).
---------------------------
1) Ab VZ 2002: 1.250 EUR.
2) Bestätigt durch BFH vom 23.9.1999 (BStBl 2000 II S. 7).
3) Ab VZ 2002: 920 EUR.
4) Ab VZ 2002: 1.227 EUR.


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VV DEU BMF 1998-01-22 IV B 2-S 2145-3/98 (Neuregelung)

Anwendende Verweise ausblendenAnwendende Verweise

JStG 1996 (Zitierung)
JStG 1997 (Zitierung)
VV DEU BMF 1998-06-16 IV B 2-S 2145-59/98 (Anwendung)

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