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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum
Aktenzeichen:43-2181/3
Erlassdatum:01.06.1979
Fassung vom:01.06.1979
Gültig ab:01.06.1979
Quelle:Wappen Baden-Württemberg
Gliederungs-Nr:7802
Fundstelle:GABl. 1979, 586
Regelung des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt über die Berufsausbildung und Prüfung Behinderter zum Gartenbaufachwerker


Regelung des Ministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Umwelt über die
Berufsausbildung und Prüfung Behinderter
zum Gartenbaufachwerker



Vom 1. Juni 1979 Az. 43 – 2181/3



Fundstelle: GABl. 1979, S. 586





Vorbemerkung



Die nachfolgende Regelung gilt für lernbehinderte Jugendliche.

Nach der Entlassung aus der Sonderschule bieten sich folgende Möglichkeiten einer Ausbildung im Gartenbau:



1.
im anerkannten Ausbildungsberuf Gärtner die übliche Ausbildung zu durchlaufen;


2.
im anerkannten Ausbildungsberuf Gärtner die übliche Ausbildung im ausbildenden Gartenbaubetrieb zu durchlaufen und berufsbegleitend eine Sonderberufsschule zu besuchen;


3.
als besondere Ausbildungsform die Gartenbaufachwerkerausbildung zu durchlaufen, bei der auf die jeweilige Lernfähigkeit besondere Rücksicht genommen wird. Diese Jugendlichen besuchen die Sonderberufsschule.


Sind lernbehinderte Jugendliche zum Zeitpunkt der Schulentlassung den Ausbildunganforderungen noch nicht gewachsen, sollen sie berufsvorbereitende Maßnahmen zur Einführung in eine Ausbildung durchlaufen. Je nach Entwicklungsfortschritt können die Jugendlichen nach Beendigung der berufsvorbereitenden Maßnahmen eine der genannten Ausbildungsmöglichkeiten wählen.

In die Berufsausbildung zum Gartenbeaufachwerker können Jugendliche, die auf Grund ihrer Behinderungen auch bei unterstützenden besonderen Maßnahmen in Betrieb und Berufsschule Ausbildungsabschlüsse in den anerkannten Ausbildungsberufen voraussichtlich nicht erreichen werden, eintreten. Bei diesen Jugendlichen sind im Einzelfall Art und Umfang der Behinderung sowie die beruflichen Förderungsmöglichkeiten durch eine Gruppe von Fachleuten – Sonderpädagogen, Behinderten-Berufsberater, Rehabilitations-Fachleute, Psychologen, evtl. Fachärzte – festzustellen, insbesondere



Einschränkungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit, wie
Beeinträchtigung des gesamten Intelligenzbereichs. Die Folge davon kann u.a. verminderte Lernfähigkeit bzw. eine Verlangsamung des Lerntempos sein,
Ausfälle in einem Einzelbereich, z. B. Störungen der Merkfähigkeit, der Gestaltwahrnehmung, des Abstraktionsvermögens,


Verzögerung und Beeinträchtigungen in der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit, wie
mangelnde psychische und physische Belastbarkeit,
Störungen des Gefühls- und Willenslebens,
geringe Selbständigkeit und Verantwortungsbereitschaft,
Mangel an Zielstrebigkeit und Leistungswillen,
neurotische Fehlhaltungen (häufig durch eine ungünstige soziale Umwelt verursacht),
Schwierigkeiten, sich in die Gemeinschaft einzuordnen;


Störungen im psychomotorischen Bereich, wie
Störungen im Bereich der Sinneswahrnehmung;
Störungen im Bereich grob- bzw. feinmotorischer Bewegungsabläufe;


Eignung für eine der genannten Ausbildungsmöglichkeiten im Gartenbau.


Die beruflichen Förderungsmöglichkeiten sind mit dem Klassenlehrer, den Eltern und dem Schüler rechtzeitig zu besprechen und zu beraten.



Die Jugendlichen bedürfen einer gezielten, individuellen betrieblichen und schulischen Betreuung. Deshalb muß der Ausbildende einschlägige Erfahrungen haben, die Ausbildungsstätte entsprechend geeignet sein und für den Auszubildenden der Besuch einer Sonderberufsschule gewährleistet sein.

Auf Grund von §§ 44, 48 und 58 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) vom 14. August 1969 (BGBl. I S. 1112) erläßt das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung folgende vom Berufsbildungsausschuß beschlossene Regelung:



1.


Diese Regelung gilt für die Berufsausbildung Behinderter im Sinne des § 48 des Berufsbildungsgesetzes, die nach Art und Schwere ihrer Behinderung nicht in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausgebildet werden können.
Eine solche Behinderung wird unterstellt, wenn


a)
der Auszubildende eine Sonderschule besucht hat,


b)
die Sonderschule und die Berufsberatung des zuständigen Arbeitsamtes die Eignung für eine Vollausbildung verneint haben.


Art und Schwere der Behinderung ergeben sich aus der schriftlichen Äußerung des Sonderpädagogen der Sonderschule und des Behindertenberaters, hilfsweise des Berufsberaters des zuständigen Arbeitsamtes und eines Facharztes.


2.
Die Ausbildung zum Gartenbaufachwerker dauert drei Jahre. Sie gliedert sich in eine Grund- und eine Fachstufe. Die Grundstufe dauert ein, die Fachstufe zwei Jahre.


3.
Die Ausbildung erstreckt sich auf die Vermittlung von Fertigkeiten und einfachen Kenntnissen auf folgenden Gebieten:


3.1
Ausbildungsstätte
Standort,
Einrichtungen,
Arbeitsschutz und Unfallverhütung.


3.2
Vorbereitende Arbeiten
Flächenaufteilung,
Herrichten des Arbeitsplatzes.
3.3
Böden, Erden, Substrate
Bodenbearbeitung,
Bodenverbesserung, Entwässerung,
Aufbereiten, Herrichten von Erden und Substraten.


3.4
Pflanzen
Pflanzenkenntnisse,
Aufbau und Lebenserscheinungen,
Vermehrung,
Verwendung.


3.5
Kultur- und Pflegemaßnahmen
Pflege des Standortes,
Düngung,
Bewässerung,
Arbeiten an der Pflanze,
Pflanzenschutz,
Wachstumsregulatoren.


3.6
Maschinen und Geräte
Einsatz,– Wartung.


3.7
Werkstoffe und Hilfsmittel
Materialkunde,
Verwendung.


3.8
Ernte und Vermarktung
Ernte,
Aufbereitung (reinigen, sortieren, verpacken),
Lagerung,
Absatz.


3.9
Wirtschafts- und Sozialkunde
Betriebswirtschaft,
Arbeits- und Materialbedarf,
Arbeitsrecht und Versicherungswesen.


4.
Die Vermittlung der Fertigkeiten und Kenntnisse richtet sich nach dem Ausbildungsrahmenplan.


5.
Sofern die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse nicht in vollem Umfang in der Ausbildungsstätte vermittelt werden können, soll dies in geeigneten Einrichtungen außerhalb der Ausbildungsstätte durchgeführt werden.


6.
Der Ausbildende hat unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes für den Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.


7.
Der Auszubildende hat unter besonderer Berücksichtigung der Behinderung ein einfaches Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelmäßig durchzusehen.


8.
Nach dem ersten Ausbildungsjahr ist eine formlose Zwischenprüfung im Zusammenwirken mit dem Betrieb nach näherer Bestimmung durch das Regierungspräsidium als zuständiger Stelle abzulegen.
Die Zwischenprüfung erstreckt sich auf die im Ausbildungsrahmenplan für das erste Ausbildungsjahr aufgeführten einfachen Fertigkeiten und Grundkenntnisse sowie auf den entsprechenden Lehrstoff der Sonderberufsschule, soweit dieser für die Berufsausbildung wesentlich ist.


9.


9.1
Die Prüfung erstreckt sich auf die im Ausbildungsrahmenplan aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Unterricht der Sonderberufsschule vermittelten Lehrstoff, soweit dieser für die Berufsausbildung wesentlich ist.


9.2
In der Prüfung sollen die besonderen Verhältnisse der Ausbildungsstätte berücksichtigt werden.


9.3
Die Fertigkeitsprüfung dauert höchstens drei Stunden. In ihr sollen mindestens vier Aufgaben aus einem der nachstehend aufgeführten Sachgebiete des Ausbildungsrahmenplanes gestellt werden:


9.3.1
Zierpflanzenbau, einschließlich der Staudengärtnerei
Vermehrung,
Arbeiten an der Pflanze,
Pflege des Standortes,
Einsatz von Maschinen, Geräten und Einrichtungen.


9.3.2
Gemüsebau
Vermehrung,
Arbeiten an der Pflanze,
Aufbereitung,
Einsatz von Maschinen, Geräten und Einrichtungen.


9.3.3
Garten- und Landschaftsbau
Bodenbearbeitung,
Verwendung der Pflanzen,
Arbeiten an der Pflanze,
Einsatz von Maschinen, Geräten und Werkstoffen.


9.3.4
Friedhofsgärtnerei
Vermehrung,
Bodenbearbeitung,
Verwendung der Pflanzen,
Arbeiten an der Pflanze.


9.4
In der Kenntnisprüfung soll der Prüfling möglichst in programmierter Form in folgenden Gebieten geprüft werden:


9.4.1
Allgemeines Fachwissen
Pflanzenkenntnisse,
Bodenkunde,
Düngung.


9.4.2
Besonderes Fachwissen
Pflanzen- und Sortenkenntnisse,
Kultur- und Pflegemaßnahmen,
Werkstoffe und Hilfsmittel.


9.5
Bei der Ermittlung des Gesamtergebnisses der Prüfung werden die Leistungen in der Fertigkeitsprüfung doppelt, die Leistungen in der Kenntnisprüfung einfach gewertet.


10.
Die Durchführung des Prüfungsverfahrens richtet sich nach den Bestimmungen der Verordnung des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt über die Durchführung von Abschlußprüfungen in den Ausbildungsberufen der Landwirtschaft vom 6. Februar 1975 (GBl. S. 188) unter entsprechender Berücksichtigung der sich aus der Behinderung ergebenden Besonderheiten.


11.
Wer eine vergleichbare, mindestens dreijährige Ausbildung vor Inkrafttreten dieser Regelung begonnen hat, kann auch ohne Zwischenprüfung an der Abschlußprüfung teilnehmen. Die Zeiten mit vergleichbarer Ausbildung können bei entsprechendem Ausbildungsstand im vollen Umfang auf die Gesamtausbildungszeit angerechnet werden.


12.
Die Regelung tritt am 1. Juni 1979 in Kraft.


An die Regierungspräsidien,

Landratsämter




Anlagen (nichtamtliches Verzeichnis)

Anlage: Ausbildungsrahmenplan

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